AFTERSHOW

Choreographie: Juli Reinartz
Von und mit: Anne Sophie Mosch, Hilarius Urban, Konstantin Langenick, Addas
Ahmad, Kerstin Buenaventura, Deniz Dogan, Tiana Hemlock-Yensen, Juli Reinartz
Choreographische Assistenz: Kyra Shmyreva
Musik: Patsy Lassbo
Bühne: Giulia Paolucci
Kostüm: Pablo Alarcon
Licht: Katri Kuusimäki

Eine Produktion von Theater Thikwa

Aftershow beginnt dort, wo der vorangegangene Tanzabend 4 aufgehört hat: Es begibt sich auf die Suche nach Körpern der Zukunft und der Möglichkeit von Kollektivität darin. Allerdings haben die Macher*innen etwas wesentliches festgestellt: Sie haben nicht die gleiche Vision, sie schauen nicht aus der gleichen Richtung, sie fühlen nicht die gleichen Dinge. Sie sind sich noch nicht einmal sicher, dass sie sich überhaupt im gleichen Raum befinden.

In Aftershow verdreht sich deswegen die Logik des Blicks. Wir konstruieren nichts gemeinsames, sondern dividieren es auseinander: Wer weiß eigentlich was über das, was wir bisher gemacht haben? Wer glaubt was darüber, was gesehen wurde? What the fuck did we do so far? In Aftershow entwickelt sich die Zukunft aus der Vergangenheit. Das vorangegangene wird zum Moment, in der das Wissen um unsere Körper und ihre Sichtbarkeit, woher sie auch immer gekommen sein mögen, in Frage gestellt werden… oder eben nicht. In Aftershow implodiert die Bühne in tausend Einzelteile, Standpunkte, Wissenslücken, Erkenntnistheorien und Begehren, um die Blickrichtung neu zu justieren.

Dank an: Iftah Gabbai und Gerko Egert

Review by Astrid Kaminski; Von Wiederkäuern und Blasen, taz 18.12.2019

“[..] unter Reinartz’ choreografischem Zugriff strahlt der Performer wie ein Adonis unter der Sonne des siebentorigen Theben. In Shorts und Bustier, über den er später noch einen nicht unversehrt bleibenden Brauseperlen-Bikini trägt, gibt er das Go-go-Girl. Und auch seine Nonsens-Aufgabe an die Gruppe ist die schalkhafteste des Abends. Jede*r soll mit der jeweils höchsten eigenen Stimme Britney Spears’ „Baby one more time“ singen. Es
fiepst, es jault, es werden Stimmbänder ausgeleiert: ‘Hit me, baby, one more time’”
https://taz.de/!5646459/

Review by Elena Phillipp; Fühlbar im Hier und Jetzt, tanzschreiber, 15. 12. 2019

“Als Gruppe stehen sechs Thikwas, eine externe Tänzerin und die als Performerin eingesprungene Choreographin auf der Bühne [..]. Während sie einander körperlich zugewandt sind, strebt die Aufmerksamkeit doch auch uns entgegen: Wer wohl im Publikum sitzt? Keine vierte Wand, keine vorgetäuschte Abkapselung oder versunkene Innerlichkeit der Performer*innen, sondern eine tatsächlich gelebte Ko-Präsenz. Das so oft beschworene
Wunder des Theaters, die gemeinsame Anwesenheit, der Fokus auf das Hier und Jetzt wird fühlbar: Gegenseitig ist die Neugier an diesem Abend. Wir sehen den Thikwas zu, und die Thikwas beobachten uns beim Zusehen.Manche aus dem Augenwinkel, schüchtern. Andere schauen ihrem Gegenüber direkt in die Augen. Ungewohnt ist das. Und beglückend.”
https://tanzschreiber.de/fuehlbar-im-hier-und-jetzt/